Haltestelle Leiferde

Stadt Braunschweig

Erste Haltestelle einer Staatseisenbahn in Deutschland

 

Die erste deutsche Staatseisenbahn von Braunschweig nach Wolfenbüttel nahm am 1. Dezember 1838 ihren Betrieb auf. Schon am 15. Mai 1839 hielten Züge auf freier Strecke bei Leiferde - die erste Haltestelle außerhalb der zentralen Bahnhöfe.

Der Thieder Lindenberg und das Ausflugslokal

Der Thieder Lindenberg wurde erstmals um 1300 urkundlich als „ Lindberch“ erwähnt. Er ist 122 m ü.NN hoch und besteht überwiegend aus Buntsandsteinen. Seit 1404 wurden diese Steine zum Bauen verwendet. Sein tiefster Steinbruch ist heute noch als „Zwergenkuhle“ bekannt. 1816 wurden im südwestlich gelegenen Gipsbruch große Mengen Knochen vorzeitlicher Tiere (Mammut, Rhinozeros) gefunden. Conrad Röver baute1836 ein Ausflugslokal auf den Thieder Lindenberg und stellte dort die Funde aus.

Karte um 1840 mit Führung der Eisenbahn

Als am 1. Dezember 1838 die erste Deutsche Staatseisenbahn ihren Dienst aufnahm, erwirkte Conrad Röver, dass diese in der Nähe des Thieder Lindenbergs anhielt. Am 15. Mai 1839 hielt erstmals planmäßig ein Zug unterhalb des Lindenbergs in der Nähe von Leiferde. Conrad Röver ließ seine Gäste, musikalisch begleitet, mit Pferd und Wagen abholen und zurückbringen. Die Ausflugslokale um Braunschweig, im Elm und Asse, sowie die Motorisierung machten den Gastwirten des Thieder Lindenbergs arg zu schaffen. Die sehr gepflegten Wege verwilderten, die Gebäude verfielen. Am 16. Oktober 1962 wurde der Thieder Lindenberg Landschaftsschutzgebiet, 1983 die Gebäude abgerissen.

Erste Haltestelle (Bude 6 - abgerissen 1962) zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel mit Schrankenwärter Otto Ballüer
Karte von 2014 mit Kartierung der Bude 6 (erste Haltestelle)

Das Caféhaus in Wolfenbüttel im „thürkischen“ Stile
“Für die Fahrgäste der ersten deutschen Staatseisenbahn wurde auf dem Karlsbollwerk in Wolfenbüttel nach Plänen des Baumeisters Carl Theodor Ottmer inmitten von Grünanlagen ein Caféhaus in “thürkischem Stile”errichtet, das sowohl den Reisenden bis zur Rückfahrt als angenehmer Aufenthalt dienen, wie einen zusätzlichen Anreiz zur Fahrt nach Wolfenbüttel bilden sollte. Das recht merkwürdige Gebäude, das durch seinen Baustil daran erinnerte, dass die Sitte des Cafe-Trinkens einst aus der Thürkei über Wien in Europa eingedrungen war, ist uns in zahlreichen Abbildungen überliefert. Die Eröffnung fand am 1. Pfingsttag 1839 statt und wurde durch eine Ankündigung in den “Braunschweiger Anzeigen” dem Publikum mitgeteilt.”

Das Caféhaus in Wolfenbüttel
Der Wolfenbütteler Bahnhof um 1840

Carl Theodor Ottmer - Hofbaurat
*10.01.1800 in Braunschweig
† 22.08.1843 in Berlin
Erbauer der beiden Bahnhofsgebäude in Braunschweig und des Caféhauses in Wolfenbüttel.

1. Staatsbahnhof Europas 1838/1843
2. Staatsbahnhof - Spatenstich am 12. August 1843, Richtfest am 20. November 1844, Einweihung am 14. Nov. 1845.

August Philipp von Amsberg (1788-1871) - Pionier und Reformator der Transportmittel
August Philipp von Amsberg wurde am 17. Juli 1788 in Kavelsdorf bei Rostock geboren. Mit 12 Jahren wurde er Verkaufslehrling in Braunschweig. Geheimrat Metz schickte ihn auf das Gymnasium „Martino Katharineum“. 1807 trat er als Schreiber in den Staatsdienst und avancierte 1812 zum „Control-Adjunkt“ (Eintreiber direkter Steuern). 1818 wurde er Kammerassessor und 1824 Kammerrat. Bereits in diesem Jahr plante er die Transportwege zu den Überseehäfen, wie Bremen, Hamburg etc. über Hannover durch den Bau von Eisenbahnen zu verbessern. Er scheiterte an der Kleinstaatlichkeit. 1833 wurde er Geheimer Legationsrat und Finanzdirektor. 1836 wurde er Leiter der Eisenbahnkommission. Unter seiner Leitung erfolgte der Bau der ersten Staatseisenbahn Deutschlands, sowie weiterer Eisenbahnstrecken, Betriebsanleitungen und die erste Signalordnung. 1862 übernimmt er als Generaldirektor die Eisenbahn- und Postverwaltung. Er wurde Ehrenbürger von Wolfenbüttel, Bad Harzburg, Seesen, Bad Gandersheim, Holzminden und Salzgitter. Am 6. Juli 1871 starb er in Bad Harzburg.

 

 

John Blenkinsop (1813-1884) - Erster Lokomotivführer
Mit dem Kauf der Lokomotiven „Swift“ und „Advance“ bei der Firma G. Forrester u. Co in Liverpool verpflichtete man gleichzeitig einen Lokomotivführer. Dieser überwachte den Zusammenbau der zerlegt gelieferten Maschinen. Am Kran in Lüneburg wurden sie an Land gehievtund nach Braunschweig gebracht. Hier wurden sie unter Leitung von John Blenkinsop zusammengebaut. Die Generalprobe mit 130 Soldaten fand am 29. November statt. Einen Tag später wurde dem Hofzug des Herzogs die Lokomotive Advance mit dem Führer Black als Sicherung vorausgeschickt. Die offizielle planmäßige erste Fahrt fand am 1. Dezember statt. Blenkinsop trat in die braunschweigischen Dienste ein. 1843 wurden unter seiner Leitung die Lokomotiven „Braunschweig“ und „Blenkinsop“ hier hergestellt. 1884 ging Blenkinsop, 71jährig, in den Ruhestand und starb am 19. Mai desselben Jahres.

Die erste Lokomotive, die John Blenkinsop in Braunschweig zusammengebaut hat

Planung und Inhalt: Stadtteilheimatpfleger Horst Kurzeia