Die Ölper Mühle

Stadt Braunschweig

Kultur- und Lehrpfad Ölper See

 

An diesem Ort befand sich vor vielen Jahren die größte Braunschweiger Wassermühle, vermutlich sogar die größte ganz Norddeutschlands. In ihrer Blütezeit zwischen 1730 und 1820 drehten sich hier 14 Wasserräder. Es herrschte auch ein reger Betrieb. Die Mühle war für Bäcker, Brauer, Bauern, Fuhrleute und andere Besucher eine Stätte der täglichen Begegnung. Sie war das wirtschaftliche Zentrum von Ölper.

Auf der Grundlage von historischen Zeichnungen und Bildern aus dem Stadtarchiv Braunschweig und dem Staatsarchiv in Wolfenbüttel wurde von Stefan Holland ein Modell der ehemaligen Ölper Mühle im Maßstab 1:87 gebaut. Es soll die Größe und die Vielseitigkeit dieser Anlage um das Jahr 1800 veranschaulichen.

Modell der Ölper Mühle aus südlicher Richtung

Modellbeschreibung:

  1. Standort der Schautafel auf der Brücke
  2. Vordere Mahlmühle
  3. Hintere Mahl- und Lohmühle
  4. Pferdestall: Der Müllermeister hatte zur An- und Ablieferung zeitweise acht Pferde und die dazugehörigen Fuhrwerke. Er besaß somit doppelt so viele Zugtiere wie ein damaliger Großbauer in Ölper.
  5. In der Walkemühle wurden von den Tuchmachern grobe Stoffe so lange gewalkt, bis sie verfilzten. Das Material wurde auf diese Weise dichter und geschmeidiger.
  6. Plattform und Gerinne mit elf Wasserrädern
  7. Tischlerei mit Zugang zur Plattform
  8. Das Wohnhaus war ein zweigeteiltes Gebäude. Es beherbergte die Familie des Müllermeisters und alle Angestellten der Mahlmühle.
  9. In der Bokemühle (boken = klopfen, schlagen) hatten die Seiler ihre Niederlassung. Der für die Seilherstellung benötigte Hanf wurde hier durch Hämmern weich gestampft.
Modell der Ölper Mühle aus nördlicher Richtung

Die Ölper Mühle (mole in Elbere) wurde im Jahre 1388 erstmals urkundlich erwähnt und war bis 1859 in Betrieb. Im Jahre 1859 wurde der Mühlbetrieb in Ölper eingestellt. Die Gründe hierfür waren die vielen Windmühlen in der Umgebung, die neuerdings mit Dampf betriebene Neustadtmühle und die immer stärker werdende Versandung der Oker.

Zeitgenössische Darstellung der Ölper Mühle um 1830; Quelle: Stadtarchiv Braunschweig

Wenn Sie einen Blick hinter die Schautafel werfen, dann sehen Sie am linken Ufer des Mühlengrabens das alte Fundament der ehemaligen vorderen Mahlmühle. Dort sind heute noch die sechs großen, zugemauerten Öffnungen zu sehen (hier nur vier abgebildet), wo einst die Achsen der Mühlräder in das Gebäude hinein geführt wurden.

Fundament der vorderen Mahlmühle heute
Profil der Wasserräder an der vorderen Mahlmühle um 1844; Quelle: Stadtarchiv Braunschweig

Das Profil von den Gerinnen der vorderen Mühle zeigt die unterschiedlich großen Wasserräder. Der Grund für den Größenunterschied war das Gefälle im Gerinne. Damit sich die Achsen der Wasserräder auf einer Höhe befinden, wurde der Raddurchmesser größer, je weiter das Rad vom Wehr entfernt war. Das Wasser floss dabei unter den Rädern hindurch.

Erläuterungen:

In diesen Gebäuden kamen im Laufe der Jahrhunderte folgende Mühlenarten zum Einsatz.


Lohmühle:
In einer Lohmühle wurde Fichten- und Eichenrinde durch Stampfen und Mahlen zerkleinert. Dieses so entstandene Granulat wird als Lohe bezeichnet. Es ist sehr gerbsäurehaltig und daher gut geeignet zum Gerben von Leder oder Pelzen.


Mahlmühle:
In den Mahlmühlen wurde für die Bäckereien Roggen oder Weizen zu feinem Mehl gemahlen.


Pulvermühle:
Kohle, Schwefel und Salpeter wurde zur Herstellung von Schießpulver zunächst gestampft und anschließend fein gemahlen.


Schrotmühle:
Es gab hier zwei Anwendungsbereiche:

  1. Für Brauereien wurde Malz zu Malzschrot gemahlen
  2. Zur Herstellung von Viehfutter wurde Gerste zu Gerstenschrot zerkleinert.
Plan der Ölperschen Mühle um 1775; Quelle: Staatsarchiv in Wolfenbüttel

Verantwortlich für die Gestaltung: Stefan Holland (Modell Ölper Mühle) und Alfred Oehl (Stadtteilheimatpfl eger Ölper)