Meer bei Meerdorf

Landkreis Peine

Erinnerung an die Eiszeit

 

Während der vergangenen Kaltzeiten hat sich mehrfach ein mehrere hundert Meter mächtiger Inlandgletscher bis nach Südniedersachsen ausgedehnt. Als Fracht hat der Gletscher im Eis und an der Basis Gesteinsmaterial mitgeschleppt und als Grund- bzw. Endmoränen wieder abgelagert. Vor dem Eisrand entstand parallel ein mächtiges Urstromtal, durch welches das Schmelzwasser in Richtung Nordsee abfließen konnte.
Als sich der Gletscher zurückzog, hinterließ er große Eisbrocken, weil die Eismasse entlang von Gletscherspalten bis zur Basis taute und in Stücke zerbrach. Diese sogenannten Toteisblöcke wurden nachfolgend von Sand und Kies, welches durch Schmelzwasser transportiert wurde, eingebettet und oft sogar zugedeckt. Dadurch konnte das Toteis eine lange Zeit im Boden verharren, bis die eiszeitlichen Ablagerungsvorgänge abgeschlossen waren.

 

Nachdem das Eis schließlich weggetaut war, blieben markante oft kreisrunde Mulden, die sogenannten Sölle (Einzahl = Soll) oder Toteis-Löcher zurück. Da sich am Grund dieser Löcher feiner (wasserdichter) Schlamm ablagerte, sind aus ihnen typische eiszeitlich entstandene Kleingewässer entstanden.
Da der Hauptgletscher der Weichsel-Kaltzeit nicht mehr nach Südniedersachsen vorgestoßen ist, stammen die Toteislöcher hier vermutlich aus der Saale-Kaltzeit. 1)

 

 

Der Ortsname Meerdorf

 

Der Ortsname Meerdorf besteht sprachwissenschaftlich aus Bestimmungswort und Grundwort. In der ältesten Urkunde – vom 11.03.1146 – ist „Meredorp“ geschrieben. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich die Schreibweisen der beiden Teile etliche Male, von „Mer“ und „Mehr“ zu „Meer“, sowie über „dorpe“, „thorp“, „thorpe“, „dorff“ zu „dorf“.
Zum Bestimmungswort: Die ursprüngliche Schreibweise „mer“ verrät den Bezug zu Wasser. Das altsächsische „meri“ bezeichnet Teich oder Graben und so steht „Meer“ für einen See oder Dorfteich im Binnenland. Namensgebend für den Ort wird das „Meer“ an der Ecke von Opferstraße und Ehlersstraße gewesen sein. Das Gelände wurde inzwischen mit Boden gefüllt und ist mit den Wohnhäusern Ehlersstraße 5 und 7 bebaut.
Zum Grundwort: Der Begriff „dorf“ steht auch in den bereits genannten früheren Schreibweisen für „Dorf“. Die germanischen Sprachen enthalten den Begriff in mehreren Schreibweisen, er bezeichnet unter anderem: Bauernhaus, Landgut, Hof und Dorf. Dieser Namensbestandteil als Grundlage der siedlungsgeschichtlichen Datierung gibt an, dass Meerdorf bis zum Jahre 800 entstanden sein könnte.
Zusammenfassend ergibt sich als Deutung des Ortsnamens: Meerdorf = Ort am Teich.
In und um Meerdorf gab es früher mehrere Teiche, davon ist hier an diesem Standort die „Viehtränke“ erhalten geblieben. 2)

 

1) Text und Grafik: Dr. Henning Zellmer
2) Text: Rolf Ahlers