Wasserburg Vöhrum

Landkreis Peine

Eine unsichtbare mittelalterliche Burg im Fuhsetal

 

Die Köpfe von Holzpfählen, die in dem besonders trockenen Sommer des Jahres 1976 in der Fuhse-Niederung bei Vöhrum hervortraten, brachten den ehrenamtlichen Archäologen Fritz Rehbein auf die richtige Spur: Bereits
seit Ende der 50er Jahre hatte er hier auffällige Funde mittelalterlicher Keramik gemacht. Recherchen zeigten, dass diese Stelle bereits 1675 als "Wasserburg" bezeichnet worden war.

Im Jahr 1675 wird auf der Grenzkarte des Amtes Meinersen die "Wasserburg" (oben links) zum ersten Mal erwähnt und dargestellt. Abbildung: Stadtarchiv Peine.

Bis 1980 konnte Rehbein durch die genaue Kartierung zahlreicher Pfosten den Umfang der vermuteten Burgstelle eingrenzen. Die Zuordnung einzelner Pfostensysteme blieb jedoch problematisch. Der Versuch, durch die Anlage von Suchschnitten die offenen Fragen zu klären, scheiterte schnell an dem sehr hohen Grundwasserstand. 1979 wurde die Wiese von der Stadt Peine für Zwecke des Natur- und des Denkmalschutzes erworben. Die archäologischen Untersuchungen an der Wasserburg wurden erst im Jahr 2001 wieder aufgenommen. Da auf der Wiese an einem Altarm der 1933/34 begradigten Fuhse keinerlei obertägigen Reste zu erkennen waren, wurden moderne, zerstörungsfreie, geophysikalische Untersuchungsmethoden eingesetzt. 2002 gelang es, in einem Magnetogramm erstmals die Struktur einer trapezförmigen Kernburg mit einem zentralen, U-förmigen Gebäude und einem umgebenden Graben zu erkennen.

Das im Jahr 2002 aufgenommene Magnetogramm zeigt in der oberen Mitte die trapezförmige Kernburg mit dem umgebenden Wassergraben (dunkel) und einem U-förmigen Gebäude im Zentrum. Abbildung: Schweitzer GPI Burgwedel

Wenig später zeigte ein unter extrem günstigen Umständen aufgenommenes Luftbild, dass zu der Kernburg noch eine Vorburg (für Wirtschaftszwecke) gehörte.

Am späten Nachmittag des 8. Januar 2003 gelang dem Luftbildarchäologen Herbert Hoinkis diese ungewöhnliche Aufnahme, als die untergehende Sonne im frisch gefallenen Neuschnee die nur noch wenige Zentimeter tiefen Gräben der runden Kernburg und der vorgelagerten Vorburg sichtbar machte. Abbildung: Herbert Hoinkis, Luftbildarchäologie

Auf diesen Ergebnissen aufbauend, führte die Bezirksarchäologie Braunschweig im Herbst 2005 eine zielgerichtete Sondage durch.

Übersichtsplan mit den Ergebnissen der Sondage 2005. Deutlich zu erkennen sind die nebeneinander liegenden Eichenpfähle des Fundaments. Abbildung: Bezirksarchäologie Braunschweig

Von dem zentralen Gebäude waren nur noch sehr geringe Reste vorhanden, es muss sich aber um eine rechteckigen Steinturm mit meterstarken Mauern gehandelt haben. Darunter wurde ein sehr aufwendiges Fundament festgestellt, das man erbaut hatte, um dem Turm Standfestigkeiten im feuchten Niederungsboden zu verleihen. Mächtige Eichenstämme waren zu einer großen Holzplattform verzimmert worden.

Blick auf die freigelegte Holzkonstruktion. Abbildung: Bezirksarchäologie Braunschweig

Darüber waren mehrere Schichten aus gestampften Ton aufbracht worden. Mit Hilfe der Dendrochronologie war es möglich, die Errichtung der Burg in die Jahre um 1180 zu datieren. Ihr Erbauer könnte vielleicht der für 1204 und 1207 urkundlich belegte Hildesheimer Ministeriale Thidericus de Voerden gewesen sein. Offenbar existierte die kleine Burg nur wenige Jahrzehnte, und wurde danach komplett abgerissen. Von den 2005 freigelegten Resten der Burg wurde nur ein Balken entnommen. Die aufwendige Holzkonstruktion verblieb in originaler Fundlage im Boden, wo sie besser geschützt und konserviert ist als in einem Magazin oder Museum.