Borwall bei Querum

Stadt Braunschweig

Der sogenannte "Borwall" ist eine typische mittelalterliche Turmhügelburg, wie sie an vielen Stellen des BraunschweigerLandes im 12. und 13. Jahrhundert erbaut worden ist. In einem gut geschützten, feuchten Gelände zwischen mehreren Altarmen der Schunter wurde ein mächtiger Hügel aufgeschüttet. Auf dem Hügel errichtete man einen mehrstöckigen steinernen Turm, der mit einer hölzern Palisade zusätzlich geschützt war. Ein Wassergraben schloss die Kernburg nach außen ab.

 

Da der Platz auf der Kernburg sehr beengt war, wurde zusätzlich eine flache Vorburg errichtet. Hier waren die Wirtschaftsbereiche wie Schmiede, Küche, Vorratsräume und Viehställe untergebracht. Sicherlich gab es auch Unterkünfte für die zur Burg gehörenden Bediensteten. Auch die Vorburg war mit einer Palisade, einem Wall und einem davor ausgehobenen Graben (zum Teil auch Doppelgraben) befestigt.

2-fach überhöhtes Geländeprofil vor (gelb) und nach (grün) der Wiederherstellung und schematische Rekonstruktion des mittelalterlichen Reliefs.

 

Es gibt keine zeitgenössische Textstelle, die diese Burg erwähnt. Auch sind ihr alter Name, der Anlass der Errichtung und der Erbauer unbekannt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1307 wird erstmals ein locum castri quondam erwähnt; die Burg existierte also schon damals nicht mehr. Mitte des 18. Jahrhundert taucht die Bezeichnung Borwall auf. 1820 wurde die Schunter begradigt und die alten Flussarme wurden trockengelegt. Noch 1861 ist von einem 10 m hohen Hügel und einem mächtigen Graben die Rede, und so wird die Burg auch erstmals dargestellt. Damals diente der Burghügel bereits als Steinbruch und fuderweise wurden die herausgerissenen Steine des Turms als begehrtes Baumaterial abtransportiert. 1937 wurden die Reste der fast völlig zerstörten Burg als erstes archäologisches Kulturdenkmal in Braunschweig unter Schutz gestellt.

Eine sehr seltene zeitgenössische Darstellung einer Turmhügelburg findet sich auf dem berühmten, kurz nach 1066 gefertigten Teppich von Bayeux. Zu erkennen sind der Burghügel, die Befestigung mit Palisaden und der aus Stein oder auch aus Holz errichtete zentrale Turm.

 

Auf Initiative der Naturschutzbehörde der Stadt Braunschweig und in Kooperation mit der Jägerschaft Braunschweig erfolgte 2005 unter fachlicher Betreuung der Bezirksarchäologie Braunschweig eine Rekonstruktion des Zustandes, wie er bis ca. 1820 bestanden hatte.

Vorburg und Kernburg beherrschen mit ihren Wasser führenden Gräben jetzt wieder das Schuntertal. Anstelle des zerstörten Turmes, von dem nur noch wenige Reste bei den Freilegungsarbeiten dokumentiert werden konnten, krönen heute mächtige Eichen den Burghügel. Die entstandenen Stillwasserbereiche, Sandwälle und der neu angelegte Sandbach haben sich als Lebensraum vieler bedrohter Tierarten entwickelt.

 

Die Abbildung zeigt den heutigen Zustand nach der Wiederherstellung im Jahr 2005. Zu erkennen ist der Burghügel der Kernburg direkt am Ufer des Sandbaches, der von einem fast quadratischen Graben umgeben ist. Westlich und südlich der Kernburg liegt die sichelförmige Vorburg, deren Befestigung aus einem Wall und einem Graben besteht.