Frühmittelalterliches Gräberfeld Werlaburgdorf

Lkr. Wolfenbüttel

Bei der Erschließung dieses Neubaugebietes wurden im März 2004 mehrere Gräber mit ungewöhnlich gut erhaltenen Skeletten entdeckt. Es folgte eine sechsmonatige Ausgrabung, bei der insgesamt 239 Bestattungen untersucht wurden. Aufgrund von Beigaben lassen sie sich in die Zeit von der 2. Hälfte des 8. bis in die Mitte des 10. Jh. datieren.

 

Ursache für die ungewöhnlich gute Erhaltung der Skelette war der hier anstehende Kalkfels, in den die Gräber eingetieft waren. Dadurch wurde d in den Knochen gebundene Kalk nicht herausgewaschen und sie sind nicht vergangen. In einigen Gräbern konnten noch Reste von Holzsärgen oder Totenbretter nachgewiesen werden.

Lageplan der gefundenen Gräber

 

Es handelt sich um ein Reihengräberfeld am Rand der Siedlung, wie es im frühen Mittelalter üblich war. Die Totenruhten in Ihren Gräbern audgestreckt auf de Rücken mit dem Kopf im Westen, den Blick nach Osten gerichtet. Sie wurden offenbar in ihrer normalen Kleidung beigesetzt, von der sich gelegentlich Metalschnallen erhalten haben. Kindern wurden mehrfach Perlen mit in das Grab gelegt, zum Teil aus buntem Glas. Die Männer trugen oft ein Eisenmesser im linken Hüftbereich. Ca. 30% der Bestattungen waren gezielt beraubt worden - und offenbar besaßen die Grabräuber eine konkrete Vorstellung davon, was sich wo im Grab würde finden lassen.

Die Toten gehörten zu den ersten nach der Christianisierung um 780 n. Chr. lebenden Generationen. Entsprechend scheinen sich in ihren Gräbern christliche und heidnische Bräuche und Vorstellungen miteinander zu verbinden. So etwabei der an und für sich heidnischen Vogelfibel, die aber ein Kreuz als Symbol des neuen Glaubens trägt.

Skelette eines Erwachsenen und eines Kindes

 

Das Reihengräberfeld zeigt, dass die Geschichte von Werlaburgdorf mehrere Jahrhunderte weiter zurückreicht als es die schriftliche Überlieferung belegt. Der Ort hat schon im späten 8. Jh. bestanden. Als kurz nach 900 nur wenige hundert Meter weiter südlich die Königspfalz Werla entstanden ist, hat zwischen der Pfalz und dem Ort Werlaburgdorf sicherlich eine enge Beziehung bestanden. Das Gräberfeld wurde benutzt, bis Werlaburgdorf nach der Jahrtausendwende eine Pfarrkirche erhielt, bei der ein neuer Friedhof angelegt wurde. Bis in das 19. Jh. erhielt sich noch in der Angst vor den Gespenstern auf den Bergen oberhalb des Dorfes die Erinnerung an die alte Bestattungsplätze.