Pfalz Werla bei Schladen

Lkr. Wolfenbüttel

Als im Jahr 919 mit Heinrich I. zum ersten Mal ein Sachse zum deutschen König gewählt wurde, folgte wenig später der Ausbau einer bestehenden älteren Anlage zum königlichen Herrschafts- und Repräsentationszentrum: Die Pfalz Werla. Auch alle folgenden Herrscher des 10. Jh. - Kaiser Otto der Große, sein Sohn Kaiser Otto II und sein Enkel Kaiser Otto III - haben sich auf der Werla aufgehalten und hier wichtige politische Entscheidungen getroffen. Dreimal (984, 1002 und 1024) wurde auf der Werla über die Nachfolge für einen verstorbenen Herrscher beraten.

 

Um das Jahr 1017 wurde in Goslar eine neue Pfalz errichtet. Die Werla verlor allmählich ihr Bedeutung, aber noch 1180 war sie Schauplatz des Prozesses von Kaiser Friedrich Barbarossa gegen Heinrich den Löwen. Schließlich verfielen die Gebäude und Befestigungen und wurden abgetragen. Schon im 16. Jh. war der Ort in Vergessenheit geraten.

Erst umfangreiche archäologische Grabungen 1934-39 und 1957-64 haben die Struktur der zu ihrer Zeit größten befestigten Anlage Norddeutschlands klären können: Im Zentrum lag eine nahezu kreisförmige Kernburg direkt am Steilhang über der Oker. Hier wurden mehrere repräsentative Steingebäude, darunter ein Palas mit angefügter Rundkapelle, eine Kirche, sowie zahlreiche weitere Nebengebäude freigelegt. Die Gebäude dienten der Ausübung der kaiserlichen bzw. königlichen Macht, aber auch als komfortable Unterkunft. Die in dem Palas ausgegrabene Warmluftheizung zählt zu den ältesten nach der Römerzeit nördlich der Alpen.

Der Kernburg vorgelagert sind zwei erstaunlich große Vorburgen, die zumindest teilweise wirtschaftlichen Zwecken dienten. Einzelne Probegrabungen haben Hinweise auf Metallverarbeitung ergeben, vielleicht eine Waffenproduktion. Außerdem wurden hier auch in großem Maßstab Textilien hergestellt. Insgesamt aber ist die vollständige Bedeutung der Vorburgen noch nicht hinreichend geklärt. Weiterhin gehörte zu der Pfalz ein Wirtschaftshof, der die Ernährung des kaiserlichen Gefolges - oft mehr als tausend Personen - sicherzustellen hatte. Repräsentation, Größe und wirtschaftliche Produktivität machten die Werla zu einem wichtigen Machtzenzentrum im 10. Jh.

 

Auf dem heutigen Gelände sind außer einigen Tafeln mit Erläuterungen zur Pfalz, dem großen Gedenkstein von 1875 und der Werla-Linde keinerlei Reste der alten Pfalz zu sehen. Die freigelegten Mauern wurden aus konservatorischen Gründen wieder mit Erde bedeckt.

 

Die Abbildung versucht einen Eindruck vom Aussehen der mittelalterlichen Kaiserpfalz zu vermitteln. Von einem Punkt über dem Okertal fällt der Blick von Osten auf die ovale Kernburg, die mit einer Steinmauer befestigt war. Im Vordergrund ist die Kirche zu erkennen, links davon der Palas mit einer angefügten Rundkapelle. Da, wo rechteckige Türme die Mauer überragen, führen zwei Tore in die innere Vorburg, noch einmal zwei Tore dann in die äußere Vorburg. Die beiden Vorburgen, deren Fläche die der Hauptburg um ein Vielfaches übertrifft, konnten bisher noch nicht ausgegraben werden.