Mittelalterliche Burganlage Asseburg

Lkr. Wolfenbüttel

(Der südöstliche Zugang in der Nähe der Informationstafel.)

Zahlreiche schriftliche Zeugnisse erhellen die Geschichte der Asseburg. Sie war nacheinander Adelsburg, herzogliche Amtsburg und Pfandburg der Stadt Braunschweig.



Die Adelsburg (1218 - 1258)

Die Asseburg wurde von Gunzelin von Wolfenbüttel mit anderen Adeligen um 1218 erbeut. Gunzelin stammte aus einer prominenten Dienstmannenfamilie Herzog Heinrich des Löwen. Unter Kaiser Otto IV., einem Sohn Heinrich dem Löwen, war er als Reichstruchsess Chef der kaiserlichen Hofverwaltung. Neben der Höhenburg auf der Asse verfügte Gunzelin noch über die Burg Wolfenbüttel und die Burg Peine. Bald geriet er in einen Gegensatz zu den Nachkommen Heinrichs des Löwen, die die Herrschaft im Land als Herzöge von Braunschweig beanspruchten. In der sogenannten Asseburger Fehde (1255 - 1258) belagerte Herzog Albrecht der Lange die Burg drei Jahre lang erfolglos, obgleich er zwei Belagerungsburgen erbauen ließ. Busso von Wolfenbüttel, der Sohn von Gunzelin, verzichtete auf die Asseburg erst, als der Herzog ihm eine große Summe Geldes bot.

Die Amtsburg der Herzöge (1258 - 1331)

Die Asseburg diente den Herzögen fortan als Stützpunkt und Verwaltungszentrum. Ein von den Herzögen eingesetzter Vogt zog in den umliegenden Dörfern Abgaben und Steuern ein, hielt Gericht und bot die Bauern zu Kriegszügen auf. Sein Amtsbezirk war mit 24 Dörfern einer der größten im Land Braunschweig. So wurde die Asseburg neben anderen Burgen zum wichtigen Faktor beim Ausbau der herzoglichen Herrschaft über das Land.

(Reste eines Turmes am nordwestlichen Zugang der Burg.)


Die Pfandburg der Stadt Braunschweig (1331 - 1492)

Die Asseburg mit ihren Dörfern wurde zum erstenmal im Jahr 1331 von den Herzögen an die Stadt Braunschweig verpfändet und blieb auch in der Folgezeit Pfand, da die Herzöge immer wieder bei der wirtschaftlichen starken Stadt Kredite aufnehmen mussten, um ihren Finanzbedarf zu decken. Auch andere Amtsburgen des Landes gelangten auf diese Weise an die Stadt, die dadurch ihr Umland besser kontrollieren konnte. Die Stadt stationierte bei Bedarf Söldner auf der Asseburg. Im Jahr 1414 waren 9 Armbrüste mit Spannriemen und Haken, 1,5 Tonnen Pfeile, Stein- und Bleibüchsen, 0,5 Tonnen und 20 Pfund Pulver sowie 80 Bleikugeln und 60 Steine zur Verteidigung der Burg vorrätig, wie ein Inventar festhält.

 

In der "Großen Stadtfehde" von 1492/93 zwischen den Herzögen und der Stadt setzten die Braunschweiger die Asseburg am 19. August 1492 in Brand und zerstörten sie. Die Burg wurde nicht wieder aufgebaut, ihre Dörfer fielen 1569 an die Herzöge zurück. Verschiedene Teile der Burganlage wurden seit 1952 durch den Heimat- und Verkehrsverein "Asse" wiedererrichtet, laufend restauriert und konserviert.

(Reste der östlichen Umfassungsmauer.)


Archäologie

Von der langgestreckten Burg auf dem südlichen Kamm der Asse sind fast nur noch die Grundmauern erhalten. Es sit eine Grundfläche von 7200 qm umbaut worden. Ausgrabungen fanden 1892 und 1894 statt, wurden aber nicht dokumentiert. Die Hauptburg war in ihrer ganzen Länge durch Mauern in einen niedrigeren südöstlichen und in einen höhergelegenen nordwestlichen Teil gegliedert. Beide Teile waren durch Quermauern in fünf Höfe mit wechselnd dichter Innenbebauung geschieden. Erkennbar waren vor allem die Tore und Türme, eine Zisterne, ein Keller mit Tonnengewölbe und ein Zwinger. Die Asseburg war vor allem an den beiden Schmalseiten durch mehrere Quergräben und Wälle gesichert. Unterhalb der Hauptburg befand sich im Südwesten eine zweigeteilte Vorburg.

 

 

Literatur:

Paul Jonas Meier, Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogthums Braunschweig Bd. III, Wolfenbüttel 1900

 

Natur- und kulturgeschichtlicher Erlebnispfad Asse, Publikation der freilicht- und Erlebnismuseums Ostfalen (FEMO), Heft 11, Königslutter 2003

 

Fotos:

Thomas Czwalina, Braunschweig