Schloßanlage Fallersleben

Stadt Wolfsburg

Das heutige Schloss Fallersleben wurde zwischen 1520 und 1551 erbaut, nachdem die Vorgängeranlage während der Hildesheimer Stiftsfehde zerstört worden war. Es diente nach dem Tod von Herzog Franz von Gifhorn im Jahre 1549 als Witwensitz für Herzogin Clara, die 1576 verstarb und im pommerschen Barth bestattet wurde. Während ihrer Zeit in Fallersleben fanden Umbauten und Erweiterungen an der Schlossanlage statt. Darüber hinaus sorgte sie auch für einen Aufschwung des Fleckens Fallersleben. Zu dem direkten Umfeld des Schlosses gehörten unter anderem Amtsgebäude, verschiedene Scheunen und Ställe, ein Brauhaus sowie eine Brennerei.

 

Das Schloss Fallersleben war in seiner Anlage ein Wasserschloss. Die Gebäude bildeten eine U-Form aus, die einen Hof umschloss und sich nach Süden öffnete. Hier bestand eine Zuwegung über eine Brücke, die über den die gesamte Anlage umschließenden Wassergraben führte. Der heute vorhandene Haupteingang mit der barocken Freitreppe von 1778 war zur Zeit der Erbauung nicht vorhanden.

Es war einmal ein Wasserschloss ...

Leider hatte sich das Bild eines Wasserschlosses im Laufe der Jahre sehr stark verwischt. Das Gebäude war zwar immer noch sehr imposant, aber auf den ersten Blick nicht als Schloss zu erkennen. Im Zuge der Umgestaltung der Außenanlagen sollte dieser Missstand behoben werden und dem Schloss ein angemessener Rahmen gegeben werden. Hierbei sollten die historischen Strukturen wieder erkennbar und erlebbar gemacht werden. Grundlage einer historisch korrekten Umgestaltung sind archäologische Untersuchungen, um den archivalischen Wissensstand zu bestätigen oder zu korrigieren. Schon 1998 führte die Bezirksarchäologie Braunschweig Ausgrabungen durch und konnte eine innere Einfassungsmauer des Wassergrabens nachweisen. Im Vorfeld und während der gesamten Bauzeit (2001 - 2003) fanden an verschiedenen Stellen weitere archäologische Untersuchungen durch die Stadtarchäologie Wolfsburg statt. Die viele neue Erkenntnisse ergaben.

Der Wassergraben

Das Schloss war mit einem 11,5 Meter breiten Wassergraben umgeben, der mindestens 5 Meter tief war. Beidseitig war dieser mit jeweils einer Mauer eingefasst. Die Mauern sind auf einer Holzkonstruktion, einer so genannten Spickpfahlgründung, errichtet. Hierfür wurden senkrechte Pfähle in die Erde getrieben, auf denen Horizontalbalken aufgelegt und verzapft wurden. Die Mauere besteht aus einer äußeren und einer inneren Schale, zwischen die Steinmaterial, Mörtel und anderes Füllmaterial lose eingebracht wurde. Dieser Typ wird als Zweischalenmauer bezeichnet. Hofseitig springt die Mauer in den Graben vor und diente damit als Auflager für die Brücke, die die einzige Zugangsmöglichkeit darstellte. Der weitere Verlauf des Wassergrabens konnte auf Grund der modernen Bebauung nicht durchgehend abgetieft werden, verläuft aber rings um die Schlossanlage.

Die Brücke

Anfangs musste man sich wohl eine Holzbrücke vorstellen, deren Existenz aber nicht nachgewiesen werden konnte, weil jüngere Einbauten letzte Reste davon wohl zerstört haben. Später wurde diese durch eine Steinbrücke mit tragenden Bögen ersetzt, die sicher noch Anfang des 19. Jhs. bestanden hat. Da das Material sowie die Bauweise der Vorgängerbrücke nicht bekannt sind, wurde eine Brücke aus modernem Material erstellt, das sich deutlich vom historischen Vorbild abhebt.



Der Hof

Auf der historischen Abbildung des Schlosshofes sieht man eine Pflasterung mit Feldsteinen. An einigen Stellen konnte eine derartige Pflasterung auch in den Ausgrabungen bestätigt werden, so dass sie rekonstruiert wurde.

Der Brunnen

Bei Grabungen in den achtziger Jahren wurde der Brunnen freigelegt und sollte obertägig sichtbar gemacht werden. Da es keinen Originalbrunnenring gab, nahm man die Sandsteinplatten aus der Erde, um daraus den Brunnen auf dem Hof zu gestalten. Bei den jüngsten Ausgrabungen wurden in der Erde noch zweiweitere Lagen von Sandsteinplatten festgestellt, so dass die ehemals obertägigen Platten wieder zurückgebaut wurden und somit drei Lagen übereinander mit jeweils vier Sandsteinplatten den quadratischen Brunnenring bilden. In Anlehnung an die Hofdarstellung um 1800 wurde der Brunnenring rund konstruiert. Der Brunnen war dort mit einer hutförmigen Abdeckung versehen.



Alte Kellergewölbe

Besonders die Nord-Ost-Ecke der U-förmigen Gebäudeanlage ist nicht mehr vorhanden. Allerdings wurden bei den Untersuchungen die Mauern mehrerer Kellerräume des ehemaligen Schlosses freigelegt. Einer war mit einem quer zu Gebäuderichtung ausgerichteten Tonnengewölbe abgedeckt, worüber der Ostflügel des Schlosses stand. Von diesem führte eine Treppe in Richtung Norden und eine Tür in der Giebelwand des "Vereisgebäudes" nach Süden jeweils in den nächsten angrenzenden Keller.

 

Text:

Geschäftsbereich 06 - Stadtplanung und Bauberatung, Stadtarchäologie Wolfsburg

 

Fotos:

Thomas Czwalina, Braunschweig