Frühmittelalterliche Burganlage Steterburg

Stadt Salzgitter

"... hat vormals ein gewaltiges Schloss gelegen..."

 

Die einleitenden Sätze über die Steterburg in der 1654 erschienen Topographie von Merian überliefern in Barocker Sprache den fernen Nachklang eines wichtigen historischen Ereignisses: 1938 wurden von der Besatzung der Steterburg die von Südosten nach Sachsen vorgedrungenen Ungarn zurückgeschlagen. Es war einer von zahlreichen Ungarneinfällen, die im frühen 10. Jh. eine große Bedrohung für das Deutsche Reich darstellten. Erst mit seinem entscheidenden Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg konnte Kaiser Otto I. diese Gefahr endgültig bannen.

Wahrscheinlich gehört die "Stedieraburg" zu den Anlagen, die als Folge des "Burgenbauediktes" von König Heinrich I. ab 926 instandgesetzt und neu errichtet wurden - gezielt zur Abwehr der Ungarneinfälle. Ihre strategische Aufgabe war es, Oker und deren Übergänge zwischen der Pfalz Werla bei Schladen im Süden und wohl der Burg Dankwarderode, eine der Keimzellen des heutigen Braunschweigs, im Norden zu decken. Im späten 10. Jh. war die Steterburg im Besitz der Grafen von Ölsburg, die kurz nach dem Jahrtausend hier ein Kanonissen-Stift gründeten. Danach verschwindet die Burg aus der historischen Überlieferung. In der älteren Literatur wurde die Meinung vertreten, dass die Burg ursprünglich an der Stelle der heutigen Stiftsgebäude bestanden hätte. Erst als 1996 die ehemalige Domäne abgerissen wurde und an deren Stelle Einfamilienhäuser errichtet wurden, haben archäologische Forschungen ein ganz neues Bild von der historischen Steterburg ergeben.

(Schematische Darstellung der Grabungsbefunde zwischen 1998 uns 2003.)

 

Die eigentliche Burg war eine fast kreisrunde Anlage mit einem Durchmesser von ca. 140 m und lag westlich des Stiftungsgebäudes. Der Graben war ungewöhnlich mächtig: bis zu 5,5 m tief mit einer ursprünglichen Breite von bis zu 9 m. Nach Innen schloss sich ein wohl ebenso mächtiger Wall an, dem eine Steinmauer vorgeblendet war. Auf dem Wall dürfte ein Wehrgang angelegt gewesen sein, der wohl mit einer hölzernen Brustwehr den Verteidigern Deckung bot. Die Burg war damit eine eindrucksvolle und ungewöhnlich starke Befestigung, besonders geeignet zur Abwehr überraschender Angriffe, wohl aber weniger um einer längerfristigen Belagerung standzuhalten. Im Inneren der Burg wurden keine archäologischen Befunde beobachtet. Man kann aber davon ausgehen, dass einige Gebäude zum Lagern von Vorräten und Gerät existiert haben, vielleicht auch dauerhafte Unterkünfte für eine kleine ständige Besatzung. Im späten 10. Jh. könnten hier auch einige repräsentativere Gebäude bestanden haben, die von den Ölsburger Grafen genutzt wurden.

 

Östlich der Burg lag ein großes Vorburggelände, das sog. "Suburbium". Auch die Vorburg war durch eine weiträumige Wallgrabenanlage geschützt, von der Reste noch in dem Wäldchen am Südrand des Areals zu sehen sind. Im Gegensatz zur beschaulichen Burg haben die Ausgrabungen für den Bereich der Vorburg ausschnitthafte Hinweise auf Bebauung und Besiedlung im 10. Jh. ergeben. Dazu gehört insbesondere ein beheizbares Grubenhaus, das möglicherweise als Produktionsstätte für Textilverarbeitung genutzt wurde. Offenbar haben sich hier - im Schatten der Burg - Handwerker, vielleicht auch Händler, angesiedelt.

 

Folgerichtig erfolgt die Gründung des Stiftes kurz nach dem Jahr 1000 dann auch im Zentrum des "Suburbiums", also im Mittelpunkt der bestehenden kleinen Siedlung. Unter anderen Voraussetzungen hätte sich aus diesen Anfängen vielleicht eine Stadt entwickeln können. Im Fall der Steterburg entfaltete sich jedoch hier eine der bedeutensten kirchlichen Stätten des Mittelalters im Braunschweiger Land.