Grabanlage in Remlingen

Lkr. Wolfenbüttel

Rekonstruktion einer jungsteinzeitlichen Totenhütte

Im Jahr 1998 wurde auf dem Hohberg, nordöstlich von Remlingen, durch Mitarbeiter der Bezirksarchäologie Braunschweig eine jungsteinzeitliche Grabkammer untersucht. Entdeckt hatte Fundstelle bereits 10 Jahre zuvor der Remlinger Ortsheimatpfleger Norbert Koch. Er bemerkte die ausgeflügten ortsfremden Steine im Acker und vermutete hier eine archäologische Fundstelle. Die Ausgrabung zeigte, dass es sich um ein ost-west-orientiertes, 12 m langes sog. Mauerkammergrab handelt. Diese Grabanlagen waren im Gegensatz zu den zeitgleichen Hochsteingräbern aus Bruchstein und Holz erbaut und werden aufgrund ihrer zeltförmigen Dachkonstruktion auch als "Totenhütten" bezeichnet. Sie sind vor allem um den Harz herum entdeckt worden. Die Remlinger Kammer gehört zu den am besterhaltensten Anlagen dieser Art.

(Das einzig vollständig erhaltene Tierskelett eines jungen Hundes.)

Der mit Steinplatten gepflasterte Boden der Remlinger Kammer besaß ein rampenartiges Gefälle ins Innere der Anlage. Vor einem horizontalen Verlauf des Dachfirstes führte dies zu einer Vergrößerung des Kammerinnenraumes und einer trapezförmigen Grundfläche. Über dem Steinplattenpflaster konnte eine Diele aus Eichenholzbohlen nachgewiesen werden. Den in der Remlinger Kammer Bestatteten wurden für ihr "Leben nach dem Tod" Tiere und aus Ton gefertigtes Gefäß mitgegeben. Im Eingang der Kammer hatten die Menschen der Jungsteinzeit ein Rindergespann niedergelegt, weiter im Inneren lagen die Reste eines jungen Hundes.

(Die in der Grabkammer gefundenen Gefäße entstammen der Bernburger Kultur.)

Die in der Grabkammer vorgefundenen Tongefässe bzw. deren zerscherbte Reste werden der sog. Bernburger Kultur zugeordnet. Naturwissenschaftliche Datierungen belegen eine Errichtung der Totenhütte in der Zeit um 3000 v. Chr.

Auf der Grundlage der Ausgrabungsergebnisse war es möglich, ein sechs Meter langes Teilstück der Remlinger Grabkammer an dieser Stelle, etwa 1,8 km vom Fundort entfernt, zu rekonstruieren. Um die Bauweise für den Betrachter deutlich zu machen, wurde der Eingangsbereich, der ursprünglich wohl komplett mit Erde bedeckten Kammer, freigelassen. Der Erdhügel ist hier quasi künstlich aufgeschnitten und die Bohlen des Holzdaches liegen frei. Der Eingang war vermutlich verschlossen; ob es eine Tür gab, kann nicht belegt werden. Der Zugang bleibt daher bei dem Nachbau offen.

An der Errichtung der Totenhütten-Rekonstruktion waren neben der Gemeinde Remlingen und dem Landkreis Wolfenbüttel, vor allem die Hauptschule Schöppenstedt und die Haupt- und Realschule Remlingen maßgeblich beteiligt: Schüler aus Schöppenstedt übernahmen die Holzarbeiten und Remlinger Schüler verlegten das Plattenpflaster.

 

Literatur:

Ulrich Dierks, Silke Grefen-Peters: Verborgen seit 5.000 Jahren. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens, 21. Oldenburg 1999

 

Foto (4):

Jutta Brüdern, Braunschweig